Donnerstag, 15. März 2012

Buchprojekt 2012: 1-3

Um meinen guten Vorsätzen gleich mal nachzukommen und weil man ja irgendwo anfangen muss:





1. +2. J.R.R. Tolkien: sowie "Der Herr der Ringe Teil 2: "Die zwei Türme" Der Herr der Ringe Teil 3: Die Rückkehr des Königs" 

Die Bücher habe ich Anfang Januar gelesen, der erste Teile fiel noch in den Dezember. Die ganze Reihe habe ich etwa zum vierten Mal gelesen und ich liebe die Geschichten immer noch.Muss ich zum Inhalt noch was sagen? Nee, oder? Im zweiten Teil lernen wir Rohan, Gandalf und die Ents kennen. Im letzten Teil entscheidet sich die Zukunft von Mittelerde und ach, armer Frodo. Wer Tolkien noch nicht gelesen hat, sollte sich durch die ersten 30 Seiten des ersten Bandes durchwühlen, in denen es sehr viel um Hobits und deren Gewohnheiten und  Ahnenkunde und Pfeifenkraut geht und sich dann ganz weit mitnehmen lassen. Ich habe oft gehört, dass die ersten Seiten des ersten Bandes so öde seien, dass die LeserInnen nicht weitergekommen sind, aber durchhalten lohnt sich.


Die Figuren aus dem Herrn der Ringe sind solche, die in meinem Kopf irgendwie ein Eigenleben führen, bei denen ich gerne wüsste; so, und was macht Tom Bombadil jetzt eigentlich?  Haben die Ents jemals wieder eine Entfrau gesehen? 

 Diesmal ist mir aber mal wieder aufgefallen, wie sehr Tolkien mit Beschreibungen arbeitet, die vom Äußeren aufs Innere schließen lassen: Die Bösen sind immer häßlich und durchgängig beschrieben als "dunkel, finster, schwarz" und aus dem Süden stammend. Die Guten sind dahingegegen kontrastierend schöne und helle Gestalten. Diese Verbindung konnte man ja auch in der Verfilmung sehr schön sehen; die zarten hellen Elben gegen die dunklen ekligen Orks. 
Klar könnt ihr jetzt sagen, die Olle spinnt und das sind legitime stilistische Mittel, die in jedem Märchen vorkommen und zudem der Zeit des Verfassers geschuldet sind  und er ist damit überhaupt nicht alleine- da würde ich euch halb recht geben. 
Es sind stilistische Mittel, die in jedem Märchen vorkommen,  sie sind dem Tolkien umgebenden Zeitgeist verpflichtet und er ist bestimmt nicht der einzige, der diese Mittel verwendet,  aber das macht es von der Wirkung, die befürchte, nicht besser. Ich mag die Bücher und Märchen trotzdem, finde generell die Verknüpfung von äußerer Un-Schönheit (nach welchen Kriterien?) und moralischem/inneren Wert sehr problematisch. I
Ich würde mir wünschen, dass wir selbst eine gesunde kritische Distanz dazu bekommen und auch vermitteln, dass Schönheit der Maßstab für Wert oder Moral sein soll. Wer dazu noch weiterlesen will, klickt hier: lookism 1 , lookism 2
 Von den sich negativ rassifizierend auswirkenden Beschreibungen von schön= hell und häßlich= dunkel fange ich gar nicht erst an. ^^ 


Edit:  Fräulein Kitsch hat dankenswerter Weise einen interessanten Link zu einem auf Englisch verfassten und recht reflektiert erscheinenden Artikel über Rassismus bei Tolkien gepostet: klick. Danke! 






3. Rosamund Lupton "Liebste Tess"

Die Autorin sage mit nichts, nachdem ich dieses Buch gelesen habe, hoffe ich, dass ich bald noch mehr von ihr aufreiben kann. Auf dem Buchcover steht "Roman", aber, liebe Leute, wenn das kein Thriller ist, dann weiß ich auch nicht. Oder nennen wir es einen Thrilleroman.


Worum geht`s?
Die in New York erfolgreiche Beatrice ist die deutlich ältere  Schwester von Tess, einer unkonventionellen in London lebenden Kunststudentin. Trotz des ungleichen Lebensstil sind die beiden sich sehr nah und halten engen Kontakt. Tess ist schwanger, als sie plötzlich nicht mehr aufzufinden ist. Beatrice macht sich auf nach London, um die Polizei bei der Suche zu unterstützen. Als Tess tot aufgefunden wird, glaubt die Polizei an Selbstmord. Beatrice hält das für unmöglich und ermittelt auf eigene Faust, was im Leben ihrer Schwester grade passiert ist und mit wem sie Kontakt hatte. Es wirkt zunächst ein bißchen so, als würde Beatrice jeden verdächtigen, der überhaupt mit ihrer Schwester Kontakt hatte, aber da gibt es auch echt ein paar verdächtige Getalten: ein wehleidiger verwöhnter Kommilitonen von Tess, der Vater ihres ungeborenen Kindes, der Chef eines Pharmakonzerns und ein überforderter Psychiater sind darunter. Die Polizei nimmt Beatrice bald nicht mehr ernst, sie jedoch ermittelt weiter und begibt sich dadurch selbst in Gefahr.

Das schöne und besondere an dem Buch ist seine Form: das ganze Buch ist ein einziger langer Brief der älteren an die verstorbene jüngere Schwester. Er ist ebenso ein Bericht über die Morduntersuchungen wie eine Aufarbeitung der Familiengeschichte der beiden Schwestern. Ebenso und nicht zuletzt ist er auch ein wunderschöner Liebesbrief an die ungewöhnliche und herzensoffene Tess von ihrer so selbstbeherrschten Schwester, der voller kleiner Alltagsgeschichten und Zitaten aus Emails der beiden steckt. 

So ergibt sich bald ein umfassendes Bild der Beziehung der beiden Schwestern, ebenso kann man sich aber ein fundiertes Bild von Tess und Bee als Personen machen.

Fazit: Ich fand die Geschichte sehr fesselnd und packend und mochte das Buch nicht zur Seite legen. Die Sprache ist schön und die Schilderung der Personen glaubwürdig und nachvollziehbar, dabei anrührend, ohne rührselig zu sein. Im Laufe der Geschichte hatte ich einige Vermutungen über das Ende, das dann sehr überraschend war, dabei aber schlüssig. Ich hasse unschlüssige unglaubwürdige Enden!
Die Geschichte ist sehr spannend, dabei die meiste Zeit aber ziemlich unblutig. Habe ich erwähnt, wie berührend Lupton den Schmerz Beatrices über den Verlust ihrer Schwester beschreibt, ohne dabei schmalzig zu werden?

Leseempfehlung? 100%.


Dieses war der erste Streich, weitere folgen! 

Schlaft gut!


Kommentare:

  1. Wegen den sich rassifizierend auswirkenden Beschreibungen (vielleicht kennst du es ja schon) gibt es auch diese Theorie, dass Tolkien eigentlich ein Rassist gewesen sei.
    http://tolkiengateway.net/wiki/Racism
    Auf den Vergleich der Zwerge als Darstellung von Juden wäre ich beim Lesen allerdings nie gekommen. Eigentlich ist es aber doch schrecklich, wenn in einer so schönen Geschichte so etwas versteckt ist.

    Fiel mir nur grade so ein, als ich das mit dem Lookism gelesen habe. Das finde ich auch immer furchtbar.

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    1. Vielen Dank für die Info und den Kommentar! Ich habe es oben im Post verlinkt für alle Interessierten zum Weiterlesen. Liebe Grüße!

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Danke für deinen Kommentar!
Ich habe nichts gegen Bloglinks, gucke aber sowieso bei jedem unbekannten Namen mal rüber. ;-)
Einen schönen Tag wünsche ich!